European Media Days, Dudelange, November 2010

Das weltweite Web hat in den letzten 15 Jahren die Welt des Wissens völlig neu gestaltet. Wissen wird „gegoogelt“. Internet und mobile Telephonie haben einen Weg zurückgelegt, den in dieser Form keiner erwartet, vorausgesehen oder geplant hatte. Das Internet ist die weltweit größte zusammenhängende Infrastruktur, die es je gegeben hat. Zwei Milliarden Menschen benutzen heute das „worldwideweb“, wobei China bereits mehr Benutzer zählt als die USA. Dieses Potential wird sich schon sehr bald verdoppelt haben, das größte Wachstum kommt wiederum aus China, dem restlichen asiatischen und dem afrikanischen Raum. Selbst die von China oder Birma in das Netz eingebauten Schutzwälle sind nicht unüberwindbar.

Informationen werden heute kostenlos im Internet gesucht- und gefunden. Die Ausbreitung des mobilen Telefonnetzes ist daran nicht unschuldig. Internet via PC ist für einen nicht unwesentlichen Bevölkerungsteil tabu, da 1. PC-Kosten relativ hoch sind und 2. der PC bei weitem nicht so benutzerfreundlich ist wie das Handy. Experten schätzen, dass in 2 Jahren das mobile Telefon den Computer in Sachen Internetnutzung überholt haben wird. Dies trifft vor allem auf die USA zu, wo die günstigen Mobilfunktarife dem Verbraucher entgegenkommen. Überhaupt scheint man in Europa dem Fortschritt etwas hinterherzuhinken. So bedauerten mehrere Redner in Dudelange, dass Europa den Fokus zu sehr auf Infrastrukturen als auf Inhalte gerichtet habe; kein europäischer Konzern sei in der Internetservicebranche tätig, habe Suchmaschinen oder soziale Plattformen aus der Taufe gehoben.

Etwa 40 Prozent aller News kommen aus dem Netz, 60 Prozent von Radio und Fernsehen. Das ist für die Tageszeitungen eine echte Gefahr. Sie haben in den vergangenen Jahren rund 25% Leser verloren. Diese sind unhaltbar weg, wiederzugewinnen sind sie nur über das web. Deshalb müssen sich die Zeitungen genau überlegen, was sie tun wollen: Will man sich dem verbliebenen Leser widmen und diesem gehaltvolle und qualitativ hochwertige Inhalte bieten oder will man sich öffnen für neue Formen der Berichterstattung.

Erfolgreich gegensteuern konnten bislang nur diejenigen, die sich rechtzeitig und mit ausreichenden Mitteln darauf eingestellt haben. Spiegel Online ist in Deutschland eine Referenz, genau wie ZDF und ARD Online. Das deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehen hat im Vergleich zu den privaten Sendern eine sehr alte Klientel, über das Internet konnten jüngere Interessenten gewonnen werden.

Stefan Russ-Mohl von der Universität in Lugano hat drei Modelle für den künftigen Journalismus definiert:

Das, was er „Tom Sawyer-Modell“ nennt, bei dem die Nachrichten-Recherche teilweise ausgeklinkt wird und dafür an den sog. Citizen-Journalism appelliert wird.

Das, was er als „Ralph Lauren“ definiert und was nach wie vor hochwertigen Journalismus beinhaltet.

Und dann einen „Fair-Price Journalismus“ wo der Verbraucher für verhältnismäßig wenig Geld gute Nachrichten bekommt. Als Beispiel zitiert er die New York Times und verweist auf die Änderung der Zahlungsbereitschaft des Publikums und den neuen Umgang mit den Zeitungen.

Zu den neuen Online-Medien sagt die Journalistin Ulrike Langer, die nach 18 Jahren klassischem Journalismus vor zwei Jahren das Internet-Forum medialdigital.de schuf, dass der Journalist sich überlegen muss, wie er effizient mit den Bloggern arbeiten kann. Wenn er das intelligent macht, bekommt er mehr Unerlage, als er je in einer Recherche vereinen könnte. Allerdings sollte er darauf achten, in welcher Domäne er auf diese Weise recherchiert und von Klatsch, Sex & Crime absehen, um nicht in die Mittelmäßigkeit abzufallen.

Für Frau Langer ist auch Linking sehr wichtig. „Do what you do best an link to the rest“, sagt sie.

Den Journalisten fordert sie auf, ein Spezialist des Dialogs zu werden. Sie hat auch die klassischen Fragen Wer? Wann? Wo? Wie? Warum?  für die digitale Welt neu definiert und so formuliert:

Who has published?

What ist he value of the story?

How will user access

What ist he surprise moment?

What should we care?

Dem Journalismus öffnet sich damit möglicherweise eine neue Chance, mit den richtigen Fragen und Nachforschungen seine Arbeit aufzuwerten.

Die Zeitungen haben in den letzten zwei Jahren viele Werbungseinnahmen (in den USA bis zu 43%) an das Internet verloren. Mittlerweile geht die Werbung zwar ins Netz, aber nicht zu den News-Plattforms, so dass es für den Verbraucher oft schwierig ist, News und Werbung zu trennen. Positiv ist, dass das Publikum durch sein aktives Mitwirken auf den einzelnen Plattformen, mehr Einfluss nehmen kann. Schwierig hingegen ist wieder einmal die fehlende Regulierung, mit der sich die Regierungsbehörden weltweit schwer tun.

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